Wald (AW) kasaan media, 2017

Von Andreas Wisst Stgt / Deutschland (km/jhb)
„Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.“
Albert Schweizer  ( 1875-1965)

So sehr ich Albert Schweizer ansonsten auch für seine Worte und Taten schätze, so möchte ich dieses Zitat doch nicht zur Gänze akzeptieren.
JA, wir leben in einer gefährlichen Zeit! Wer es nicht glaubt, soll an einem beliebigen Tag, ein beliebiges Nachrichtenportal öffnen. Egal, ob schnöder Lokalteil oder der Blick in die große Welt: Gewalt, Terror und Krieg!
Es gibt nichts, was Menschen sich nicht gegenseitig antun können! Man kann die Nachrichtenseite gar nicht mehr so schnell schließen, wie einem die Beispiele menschlicher Abgründe entgegnen. Da findet sich Macht- und Herrschsucht, für seine Zielfindung bereit, maximales Unglück über Menschheit und Planet zu bringen, doch keine Spur davon, dass sich die Spezies Mensch sich in Schweizers Sinne auch nur annähernd beherrscht.

Der Mensch hat weder im Tun noch Denken gelernt, sich oder seine dunklen Triebe zu zügeln, und ist ebenso Lichtjahre davon entfernt, die Natur zu beherrschen!

Eine Tatsache, der man sich in der beklemmenden Enge von Glas und Beton nicht immer gewahr werden kann. Stress und Hektik der Stadt verblenden und täuschen die Sinne. Doch es klärt sich einem im Geist, wie die Luft, sobald man sich aus dem geschäftig hektischen Treiben der Stadt löst, und diese gegen die Trägheit und Ruhe des Waldes tauscht.

Wald (AW)
kasaan media, 2017

Auch hier sind wir erneut eng umgeben, wenn auch nicht von massiven Gebäuden und Technik, so doch von Leben. Im weich, federnden Boden unter unseren Sohlen, dem Summen und Rauschen um uns herum, sowie dem dichten Blätterdach über uns. Licht und Schatten, von gesprenkelt durch das satt grüne Gewölbe auf uns herabfallenden Sonnenflecken umspielt uns lebendig, funkelndem Wasser gleich. Wir sind umgeben, doch nicht eingeschlossen, sondern frei. Unsere Lungen atmen den harzig frischen Duft, atmen ergänzend mit den uns umgebenden Pflanzen. Sie nehmen unser Kohlendioxid, wir ihren Sauerstoff und umgekehrt. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen! Einer mit dem anderen, nur so kann es funktionieren. 

Wald (AW)
kasaan media, 2017

Einer Tatsache, der ich mir jedes Mal aufs Neue bewusst werde, wenn ich dieses grüne Reich betrete.
Doch wie sollen wir andere Lebewesen, ob Pflanze oder Tier, respektieren und partnerschaftlich behandeln können, wenn wir es untereinander schon nicht tun. Es darf nicht sein, dass wir unsere Existenz darauf reduzieren, auf Kosten anderer voranzukommen, einander auszubeuten und auszunutzen. Einige wenige Menschen profitieren davon, lenken und zerstören die Schicksale der Massen, welche es zulassen. Massen, welche ihnen überlegen wären, wenn sie sich ihrer Macht bewusst würden und sie nutzten. Doch so ist die eigentlich Macht wehrlos, wehrlos wie der Wald, in dessen Boden sich rücksichtslos tiefe Schneisen schneiden. Wunden der Reifen tonnenschwerer Geräte, um das wertvolle Holz zu holen. Doch wenn wir die Natur weiter so ausbeuten, wird sie sich rächen. Manche sagen, dass sie dann zurück schlagen wird. Und ihrer Macht hätten wir nichts entgegen zu setzen. Eine Lektion, welche die Menschen bei jedem Erdbeben, Vulkanausbruch oder Tsunami immer wieder neu lernen!  Da gibt es für den Menschen nichts, was er auch nur ansatzweise beherrschen könnte. Aber so dramatisch muss es nicht werden, es reicht schon, wenn sie einfach weg, nicht mehr da ist. Tot und vergiftet, so wie die Menschen es im Anschluss daran sein werden. Denn ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist auch ein gegenseitiges Leben und Vergehen.

Und genauso werden die Menschen vielleicht erst dann untereinander eine Ruhe geben, wenn sie denn alles verloren haben. Frieden, Freiheit und Leben.
Wir beherrschen die Natur nicht! Es ist sie, die uns beherrscht, in unseren ungezügelten Treiben und in unserer Gier!
 

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